Kebap oder Kebab? Warum Berlin beide Schreibweisen benutzt
- vor 2 Tagen
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Geh eine beliebige Straße in Berlin entlang und du wirst beides sehen. Der große Imbiss an der Ecke hat KEBAB in roten Lettern auf der Markise. Zwei Türen weiter steht KEBAP im Fenster. Das Essen drinnen ist im Großen und Ganzen das gleiche. Die Schreibweise ist kein Tippfehler — und keine reine Marketingfrage. Sie ist ein kleines Stück Sprachgeschichte, an dem die meisten vorbeigehen, ohne es zu bemerken.
Hier kommt die Kurzfassung: Woher die beiden Schreibweisen stammen, warum Berlin tendiert, wie es tendiert, und was — wenn überhaupt — der Unterschied eigentlich aussagt.
CONTENTS
Das Wort ist älter als die meisten Länder
Warum das Türkische es mit P schreibt
Warum das Englische Kebab schreibt
Warum Berlin beides benutzt
Gibt es also eine „richtige" Schreibweise?
Das Wort ist älter als die meisten Länder
Das Gericht reist unter unterschiedlichen Namen durch fast jede Sprache, die es übernommen hat. Kebab im Englischen. Kebap im Türkischen. Kabāb im Arabischen und Persischen. Kabob im nordamerikanischen Englisch. Donair in Teilen Kanadas. Gyros im Griechischen, Schawarma im Arabischen, Döner im Deutschen — alles Beschreibungen verwandter Gerichte.
Die Wurzel ist persisch. Das Wort kabāb bedeutet ungefähr „gebratenes Fleisch", und die ersten schriftlichen Belege reichen über tausend Jahre zurück. Es wanderte ins Arabische, dann ins Osmanisch-Türkische, dann über Handelswege, Migration und Imperien weiter nach außen. Als es im 17. und 18. Jahrhundert die westeuropäischen Sprachen erreichte, hatte sich die Schreibweise je nach Sprache, die es übernahm, mehrfach verändert.
Beide Schreibweisen sind also legitim. Sie beschreiben das gleiche Gericht. Die Frage ist nur, auf welchem Weg das Wort bei dir ankommt.

Warum das Türkische es mit P schreibt
Hier kommt das linguistische Detail, das fast alles andere erklärt: Das Türkische verhärtet Endkonsonanten. Wenn ein Wort mit einem Laut endet, der im Persischen oder Arabischen ein „b" wäre, schreibt das moderne Türkisch ihn als „p" — weil er genau so klingt, wenn das Wort allein steht.
Im Türkischen heißt das Gericht offiziell kebap. Die türkische Sprachgesellschaft (Türk Dil Kurumu) führt es so, und türkische Muttersprachler:innen schreiben es zuhause so. Das „b" taucht nur in bestimmten grammatischen Formen wieder auf, wenn dem Wort ein Vokal folgt und der Konsonant weicher wird. Eine reguläre Eigenschaft der Sprache, keine Ausnahme.
„Kebap" ist also die türkische Schreibweise. „Kebab" liegt näher an der älteren arabischen und persischen Wurzel — und ist das, was das Englische übernahm, als das Wort im 17. Jahrhundert in die Sprache kam.
Warum das Englische Kebab schreibt
Als das Englische dem Wort begegnete, kam es nicht direkt aus dem Türkischen. Es reiste über Arabisch und Persisch ins Englische, häufig über Indien während der britischen Kolonialzeit — und genau deshalb sind „kebab" und „kabob" zu den englischen Standardschreibweisen geworden, und deshalb klingt „shish kebab" türkisch, sieht aber englisch geschrieben aus. Das Oxford English Dictionary belegt das Wort im Englischen seit dem späten 17. Jahrhundert — fast immer mit einem B am Ende.
Im britischen Englisch wurde „doner kebab" zur festen Bezeichnung für die spätabendliche Streetfood-Variante. Im amerikanischen Englisch meint „kabob" manchmal die Spieß-Variante, während „kebab" eher den Wrap meint. Beide Schreibweisen sind in ihrer jeweiligen englischen Tradition heute Standard.
Das Ergebnis: Wer auf Englisch über türkisches Essen schreibt, schreibt fast immer „kebab" — selbst wenn das Gericht in der Türkei „kebap" heißt.
Warum Berlin beides benutzt
Hier wird es interessant. Berlin hat die größte türkische Diaspora außerhalb der Türkei, und der Döner Kebab, wie Berliner:innen ihn kennen, wurde quasi hier erfunden — in den 1970er Jahren, von türkischen Einwander:innen, die das Gericht für den Straßenverkauf anpassten. Deshalb gibt es in Berlin eine türkischsprachige Tradition rund um das Essen, neben der deutschen und englischen Beschilderung, die es umgibt.
Das Ergebnis ist die zweisprachige Schreibweisenlandschaft, die du heute siehst:
Läden, die KEBAP schreiben, signalisieren tendenziell türkische Herkunft — Inhaber:innen, die in der Türkei gelernt haben, Rezepte, die der türkischen Konvention folgen, Küchen, in denen hinter der Theke Türkisch gesprochen wird. Die Schreibweise ist ein Authentizitätsmerkmal, oft ohne dass es jemand bewusst so rahmt.
Läden, die KEBAB schreiben, lehnen sich meist an die englischsprachige Variante an — touristenfreundlich, leicht erkennbar, im Einklang mit dem, was internationale Reiseführer und Google-Suchergebnisse schreiben.
Im Deutschen selbst sind beide Schreibweisen korrekt. Der Duden führt sowohl Kebap als auch Kebab. Die meisten deutschsprachigen Medien und Reiseführer schreiben „Döner Kebab" als zusammengesetzte Form, während sich die Ladenschilder ungefähr gleichmäßig verteilen. Es gibt keine Regel. Die Schreibweise driftet je nachdem, wer schreibt und an wen er oder sie dabei denkt.
Gibt es also eine „richtige" Schreibweise?
Für den Alltag: nein. Beide sind korrekt, beide werden allgemein verstanden, und keine der beiden ist ein Fehler.
Wer technisch dem Türkischen folgen will: Kebap. Wer dem britischen und internationalen Englisch folgen will: Kebab. Wer auf Deutsch für ein deutsches Publikum schreibt: beides geht, und die meisten Redaktionen entscheiden danach, was neben der restlichen Typografie besser aussieht.
Der eine Ort, an dem die Schreibweise wirklich etwas verrät, ist die Markise eines Ladens. Dort spiegelt die Wahl meist wider, wer die Inhaber:innen sind und für wen sie kochen. Nicht immer, nicht als strikte Regel — aber oft genug, dass es sich lohnt, beim nächsten Vorbeigehen einmal hinzuschauen.
Wir haben uns für Kebap with Attitude entschieden — mit P — und zwar mit Absicht. Es ist die türkische Schreibweise, und sie verweist auf den Ursprung des Gerichts. Das Essen, das wir servieren, ist eine zeitgenössische, sehr berlinerische Lesart des Kebaps — aber die Schreibweise hält die Linie zu den Wurzeln ehrlich. Wir haben dieses Gericht nicht erfunden. Wir bauen auf etwas auf, das eine deutlich längere Geschichte hat als unser Restaurant, und das P ist eine kleine Art, das zu sagen.
Wenn du an unserem Fenster in der Gipsstraße oder der Bergmannstraße vorbeigehst und die Schreibweise auffällt — jetzt weißt du, warum. Das Essen, egal wie man es schreibt, ist handgestapelt, regional bezogen und es lohnt sich, sich dafür hinzusetzen.





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